Paroli Netzmagazin

Trauerspiel in drei Akten

April 14, 2007 · 10 Kommentare

Vorhang, erster Akt: Unbedachte aber ehrliche Äußerung der persönlichen Überzeugung bzw Ansichten eines sog. Politikers im Zusammenhang mit Geschehnissen, die auf die Deutsche Geschichte, Kultur oder Bevölkerung bezogen sind OHNE dabei den Nationalsozialismus, die Täter-Generation oder die Mitläufer zu kritisieren. Es ist noch nichtmal notwendig sich positiv über derlei zu aüßern, es reicht bereits sich nicht negativ genug auszudrücken. Früher hätte man die Darstellung der eigenen Meinung ohen Rücksicht auf deren Popularität wohl noch als charakterliche Auszeichnung begrüßt. Heute ist man eher angehalten Rücksicht auf “die Opfer” zu nehmen. Wie sich die Zeiten ändern…

Zweiter Akt: Sturmlauf der Berufsmoralisten. Sie stürzen sich auf den, der es gewagt hat ihrer Sicht der Dinge öffentlich zu wiedersprechen, wie die Geier auf das Aas. Da ist kein noch so plumper Druck auf die Tränendrüse zu billig. Der von mir so geschätzte Zentralrat, der “Publizist” Ralph Giordano und sich beliebig abwechselnde Grüne erheben bedeutungsschwanger den Zeigefinger des Anstands und Urteilen, als hätten sie in ihrem ganzen nutzlosen und vergeudeten Leben noch nie eine Sünde begangen, ja, als wäre diese Bande von Mitläufern früher nicht sofort dabei gewesen, wenn es darum ging, sich in den Dienst der Obrigkeit und des Zeitgeists zu stellen.

Dritter Akt: Auftritt der Opfer. Sie dürfen selbstverständlich nicht fehlen im bundesrepublikanischen Theaterzirkus. Die Überlebenden des Holocausts und wenn es an denen gerade ermangelt, dann nehmen die Angehörigen der Opfer gerne die Rolle des sympathischen und moralisch über allem stehenden Nebenklägers ein. Sie sollen der medialen Öffentlichkeit den Rest geben und klar machen, wer hier Opfer und wer Täter ist. Ich wünschte sie würden einfach verschwinden…

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Neues von Phillip Wittrock #5

April 7, 2007 · Kommentar schreiben

Leser, die den Weg dieses Blogs und seines Vorgängers schon etwas länger mitbegleitet haben, ist dieser Mann kein Unbekannter. Der Zuständige des Spiegels für Niveau-Erdarbeiten hatte sich in unser aller Herz geschrieben mit unvergessenen Artikeln zum Libanon “Konflikt” und der monatlichen Panikmache vor rechter Gewalt. Freilich jeweils entsprechend sprachlich ausgeschmückt und ohne Mangel an zusätzlichen Interpretationen, die nicht gerade durch ein außergewöhnliches Maß an Ausgeglichenheit auffallen.

Wie dem auch sei… Herr Wittrock, der neuerdings darauf verzichtet seinen schönen Familiennamen direkt neben der Überschrift des Artikels auszuschreiben und sich stattdessen nur noch “phw” nennt, befasst seine geistige Kapazität heute einmal mit den 15 königlichen Seemännern, welche plötzlich von Ali Baba in die Räuberhöhle verschleppt wurden. Das liest sich dann so:

Nachdem das Mullah-Regime in heuchlerischer Großmütigkeit zunächst auf eine Gegenleistung für die Freilassung der britischen Soldaten verzichtete, erwartet Teheran nun Dankbarkeit.

Wieder mal ein echtes Highlight journalistischer Arbeit, daß man auch ohne Probleme im Titanic Magazin hätte veröffentlichen können. Echte Realsatire eben. Aber bin ich eigentlich der einzige, der in derartigen Ausfällen nichts anderes als einen strategischen Wechsel der Zielgruppe des Spiegels erkennt? Offenbar scheint die Zielgruppe der Onlineausgabe nichts besseres zu tun zu haben, als sich – wie ich zum Beispiel gerade – auf eine ziemlich plumpe Provokation des gesunden Menschenverstands zu stürzen. Mehr Emotionalisierung meines kalten Kadavers bitte!

Und wenn das Konzept der BILD eben höhere Profite verspricht, warum nicht? An fähigen Journalisten jedenfalls hat man offensichtlich bereits Einsparungen vorgenommen.

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Prügel für Beck

April 5, 2007 · 1 Kommentar

Da hatte der Vorsitzende der deutschen Sozialdemokratie es doch tatsächlich gewagt Verhandlungen mit den Taliban vorzuschlagen, in einem Konflikt, von dem sowohl der Herr Verteidigungsminister Jung wie auch “Verteidigungsexperte” Peter Struck sagen, daß er auf militärischem Wege nicht zu gewinnen sei. Weil dem so ist, und es auch niemand bestreitet, schicken wir aber noch ein paar Soldaten mehr an den Hindukusch. Nur zur Aufklärung versteht sich. Das die englischen Sea-Harrier, die vorher diese Aufgabe übernommen haben, nun im Irak fleissig Bomben werfen, wen kümmert das schon. Die deutsche Presse jedenfalls nicht.

Wie auf Kommando mischt sich heute dann die “demoraktisch gewählte Regierung” der Afghanen ein. Offenbar liest man dort deutsche Zeitungen und weiß den Herrn Beck sofort zu belehren, daß mit den Taliban die Demokratie wieder in Gefahr gerät und diese deshalb mit aller Macht bekämpft werden müssen. Wer bei der Wortkombination “Afghanistan + Demokratie” ebenfalls spontan lachen mußte, dem sei daher ein Beiträg der 0815-infos empfohlen.

Die Regierungsbeamten von Herrn Karsai waren schon gleich nach ihrer Berufung in 70 Prozent aller Rauschmitteldeals verwickelt, schon damals hatte ein Viertel der frisch gewählten 249 Parlamentsmitglieder Kontakte zum Drogenhandel, mindestens 17 Abgeordnete sind selbst Drogenschieber und 24 weitere stehen in Verbindung zu kriminellen Banden, 40 sind Befehlshaber bewaffneter Gruppen und 19 müssten sich eigentlich ernsten Anschuldigungen wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen stellen.

Während der Herrschaft der Taliban wurden demzufolge jährlich noch 150 Tonnen Rohopium illegal produziert. Im Jahr 2006 lag sie dann etwa 40 mal höher bei bemerkenswerten 6100 Tonnen Opium. Was soll dort also verteidigt werden? Demokratie die es dort nie gab und wohl auch nie geben wird, oder die fast weltexclusive Produktion von Opium mit den entsprechenden Profiten für einige wenige?

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Missbrauch der Pressefreiheit

April 3, 2007 · 1 Kommentar

Was würden Sie wohl glauben, welchem Presse-Organ folgender Beitrag entnommen ist:

Der frühere Wahlbetrüger und heutige Ministerpräsident (…) hat den Helden der (…) Revolution (…) in den letzten Jahren immer weiter in die Enge getrieben. Verzweifelt versucht dieser den Befreiungsschlag.

Eine Übersetzung aus der Prawda? Dem Stürmer? Gar ein Pamphlet der Sekretärin für Agitation und Propaganda der FDJ? Weit gefehlt, keineswegs handelt es sich um ein historisches Relikt aus den kommunistischen Diktaturen oder den Nationalsozialisten in Deutschland. Es ist vom heutigen Tage, publiziert im Spiegel Online und richtet sich an Menschen, die angeblich selbst denken können sollen. Zumindest wird das vereinzelt noch behauptet.

Wer nach Phillip Wittrock und Herr C. C. Malzahn noch einen weiteren Beweis brauchte, daß der Spiegel zu einem stupiden Propagandainstrument für wen auch immer geworden ist, hier ist er.

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Preis zu hoch

April 3, 2007 · Kommentar schreiben

Erinnern Sie sich noch? Es war so gegen Ende vorletzten Jahres, als die deutsche Mutter Theresa Susanne Osthoff im Irak verschleppt worden ist und bei ihrer “Freilassung” mit einem Teil des Lösegelds angetroffen wurde. Ohne weiter auf die zweifelhaften Umstände dieses Ereignisses eingehen zu wollen geht es mir eher um die Reaktionen der Frau Merkel damals und heute. Noch Anfang Dezember 2005 stellte die Bundeskanzlerette fest: “Wir lassen uns nicht erpressen”. Das sich dies freilich anders herausstellte ist Geschichte.

Nun sind wieder Deutsche (oder was man dafür halten mag) im Irak verschleppt worden. Wieder eine deutsche Frau mit einem arabischen Ehemann. Wieder so eine seltsame Sache. Wieder geht es mir aber nicht darum wer da wie unter welchen Umständen entführt wurde, sondern um die Reaktion der Regierung. Trotzig stellt diese vor versammelter Presse fest: “Wir lassen uns nicht erpressen”. Das dies bereits mehrfach wiederlegt wurde, wen interessiert es schon? Unkritisch plappern die großen Zeitungen den Agenturen nach, was diese den Politikern nachplappern solange sie sich erwartungsgemäß verhalten.

Diesmal wird aber in der Tat nicht verhandelt werden, schließlich verlangen die Geiselnehmer den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Das geht über die Verschwendung von ein paar Millionen Steuereuros deutlich hinaus.

Was Frau Merkel eigentlich sagen wollte ist: Natürlich sind wir erpressbar, aber der Preist ist uns diesmal zu hoch. Sorry!

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