Es vergeht kaum ein Tag an welchem uns nicht eine neue Studie weismachen möchte, dass einzig und alleine die deutsche Präokkupation muslimischen Menschen gegenüber Schuld am Integrationsdesaster der letzten Jahre ist. Wie auf FOCUS Online mit Bezug auf eine Meldung der dpa berichtet wird, wird diese Auffassung von einer neuen EU-Studie der „Europäischen Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ (EUMC) gestützt. Sie kommt zum Schluss, dass sich in Europa vor allem Muslime einer verbalen und physischen „Diskriminerung“ ausgesetzt sehen müssen.
Man stellte fest, dass Muslime „überdurchschnittlich häufig“ von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sie nur geringe Chancen auf eine „höhere Bildung“ haben und zumeist in „schlechten Wohnverhältnissen“ leben. Da durch diesen Zustand laut EUMC „Hoffnungslosigkeit“ erzeugt werde, würde folglich auch ein „Zugehörigkeitsgefühl“ zur EU begraben werden.
Zu diesen Ergebnissen kommt die EUMC durch einen Test in Großbritannien, dessen Ergebnis man wohl auf ganz Europa auslegte. So schrieb man ganze 50 Unternehmen mit Bewerbungsanlagen von sechs fiktiven Interessenten an und legte dabei vor allem Wert darauf, dass eine deutliche Zuordnung auf die Herkunft der Bewerber ermöglicht wurde. Dies tat man, indem man die Namen deutlich typisierte, sodass man anhand dessen leicht auf einen Bewerber muslimischen, britischen oder afrikanischen Ursprungs schließen konnte. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass „weiße“ Bewerber eher eine Einladung ausgesprochen bekamen, als es bei Schwarzen der Fall gewesen ist. Die fiktiven Bewerber muslimischen Ursprungs hatten demnach den wenigstens Erfolg.
Und wie es natürlich nicht anders sein könnte, ist dieser Zustand gerade „in Deutschland besonders ausgeprägt„. Als eine beinahe ausufernde Pogromstimmung gegen in Deutschland lebende Türken sind für die EUMC die schier unglaubliche Zahl von 13 Übergriffen gegen Türken und türkische Einrichtungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg „alleine“ innerhalb des Zeitraums zwischen Januar und Oktober 2005. Wohlgemerkt, diese drei Bundesländer kommen auf eine Gesamtbevölkerung von 9,3 Millionen Einwohnern. Liebe EUMC, ich will nicht spekulieren, aber 13 „Übergriffe“ von Türken gegen Deutsche gibt es in bestimmten Problembezirken innerhalb eines einzigen Tages.
Natürlich wäre so eine Studie ohne den Paralogismus, den sich Toleranzdeppen bei solchen Themen schon beinahe selbst auf die Stirn schreiben, nur halb so unterhaltsam. In diesem Falle wird er symbolisiert vom „Essener Zentrum für Türkeistudien (ZfT)“. Dass solche Zentren und andere Scheininstitute mit künstlich herbeigeführten Sophismen arbeiten um der reinen Selbsterhaltung zu dienen, sollte dem Logiker nichts neues sein. Denn Einrichtungen, deren einzige Funktion es ist, auf Probleme hinzuweisen, werden auf Teufel komm raus auch immer welche finden – ein dem Zweck gerichteter Urtrieb.
Das Essener Zentrum für Türkeistudien forderte demnach mit Bezug auf die Studie eine größere gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Muslimen in Deutschland. Eigeninitiative und natürliches Interesse bezüglich des eigenen Wohlergehens beim Erlernen der deutschen Sprache scheinen für dieses Zentrum keine mögliche Forderung, welche man im Gegenzug ausnahmsweise mal in Richtung der türkischen Gäste stellen könnte. Komisch, dabei war es doch gerade das Zentrum für Türkeistudien selbst, welches durch eine eigene Umfrage feststellen musste, dass gerade einmal 68% der befragten, türkischen Immigranten (mündlich) zusichterten, einen Sprachkurs absolviert zu haben.
Und ebenfalls dem Zentrum für Türkeistudien wurde durch eine Umfrage zuteil, dass nach eigenen Aussagen über die Hälfte der befragten Türken ihre Deutschkenntnisse als mittelmäßig bis schlecht einstufen. Nach der Frage, wieso dem so sei, beklagten 25%, es gäbe „zu wenig Angebote„. Eine äußerst interessante Feststellung wie wir finden, wissen wir doch spätestens seit einem Artikel in DIE WELT dank Unions-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl, dass im vergangenen Jahr lediglich 124.000 von 215.000 Berechtigten an Integrationskursen teilnahmen. Eine bemerkenswerte Statistik, welche die Begründung von immerhin einem Viertel der Befragten mit einem dicken Fragezeichen versieht.
Quelle: FOCUS Online