Paroli Netzmagazin

Muslime in Deutschland werden laut EUMC „diskriminiert“

Dezember 18, 2006 · 1 Kommentar

Es vergeht kaum ein Tag an welchem uns nicht eine neue Studie weismachen möchte, dass einzig und alleine die deutsche Präokkupation muslimischen Menschen gegenüber Schuld am Integrationsdesaster der letzten Jahre ist. Wie auf FOCUS Online mit Bezug auf eine Meldung der dpa berichtet wird, wird diese Auffassung von einer neuen EU-Studie der „Europäischen Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ (EUMC) gestützt. Sie kommt zum Schluss, dass sich in Europa vor allem Muslime einer verbalen und physischen „Diskriminerung“ ausgesetzt sehen müssen.

Man stellte fest, dass Muslime „überdurchschnittlich häufig“ von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sie nur geringe Chancen auf eine „höhere Bildung“ haben und zumeist in „schlechten Wohnverhältnissen“ leben. Da durch diesen Zustand laut EUMC „Hoffnungslosigkeit“ erzeugt werde, würde folglich auch ein „Zugehörigkeitsgefühl“ zur EU begraben werden.

Zu diesen Ergebnissen kommt die EUMC durch einen Test in Großbritannien, dessen Ergebnis man wohl auf ganz Europa auslegte. So schrieb man ganze 50 Unternehmen mit Bewerbungsanlagen von sechs fiktiven Interessenten an und legte dabei vor allem Wert darauf, dass eine deutliche Zuordnung auf die Herkunft der Bewerber ermöglicht wurde. Dies tat man, indem man die Namen deutlich typisierte, sodass man anhand dessen leicht auf einen Bewerber muslimischen, britischen oder afrikanischen Ursprungs schließen konnte. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass „weiße“ Bewerber eher eine Einladung ausgesprochen bekamen, als es bei Schwarzen der Fall gewesen ist. Die fiktiven Bewerber muslimischen Ursprungs hatten demnach den wenigstens Erfolg.

Und wie es natürlich nicht anders sein könnte, ist dieser Zustand gerade „in Deutschland besonders ausgeprägt„. Als eine beinahe ausufernde Pogromstimmung gegen in Deutschland lebende Türken sind für die EUMC die schier unglaubliche Zahl von 13 Übergriffen gegen Türken und türkische Einrichtungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg „alleine“ innerhalb des Zeitraums zwischen Januar und Oktober 2005. Wohlgemerkt, diese drei Bundesländer kommen auf eine Gesamtbevölkerung von 9,3 Millionen Einwohnern. Liebe EUMC, ich will nicht spekulieren, aber 13 „Übergriffe“ von Türken gegen Deutsche gibt es in bestimmten Problembezirken innerhalb eines einzigen Tages.

Natürlich wäre so eine Studie ohne den Paralogismus, den sich Toleranzdeppen bei solchen Themen schon beinahe selbst auf die Stirn schreiben, nur halb so unterhaltsam. In diesem Falle wird er symbolisiert vom „Essener Zentrum für Türkeistudien (ZfT)“. Dass solche Zentren und andere Scheininstitute mit künstlich herbeigeführten Sophismen arbeiten um der reinen Selbsterhaltung zu dienen, sollte dem Logiker nichts neues sein. Denn Einrichtungen, deren einzige Funktion es ist, auf Probleme hinzuweisen, werden auf Teufel komm raus auch immer welche finden – ein dem Zweck gerichteter Urtrieb.

Das Essener Zentrum für Türkeistudien forderte demnach mit Bezug auf die Studie eine größere gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Muslimen in Deutschland. Eigeninitiative und natürliches Interesse bezüglich des eigenen Wohlergehens beim Erlernen der deutschen Sprache scheinen für dieses Zentrum keine mögliche Forderung, welche man im Gegenzug ausnahmsweise mal in Richtung der türkischen Gäste stellen könnte. Komisch, dabei war es doch gerade das Zentrum für Türkeistudien selbst, welches durch eine eigene Umfrage feststellen musste, dass gerade einmal 68% der befragten, türkischen Immigranten (mündlich) zusichterten, einen Sprachkurs absolviert zu haben.

Und ebenfalls dem Zentrum für Türkeistudien wurde durch eine Umfrage zuteil, dass nach eigenen Aussagen über die Hälfte der befragten Türken ihre Deutschkenntnisse als mittelmäßig bis schlecht einstufen. Nach der Frage, wieso dem so sei, beklagten 25%, es gäbe „zu wenig Angebote„. Eine äußerst interessante Feststellung wie wir finden, wissen wir doch spätestens seit einem Artikel in DIE WELT dank Unions-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl, dass im vergangenen Jahr lediglich 124.000 von 215.000 Berechtigten an Integrationskursen teilnahmen. Eine bemerkenswerte Statistik, welche die Begründung von immerhin einem Viertel der Befragten mit einem dicken Fragezeichen versieht.

Quelle: FOCUS Online

Kategorien: Inland

Schon wieder neue Gerechtigkeitslücken

Dezember 18, 2006 · 1 Kommentar

In unserem Land mangelt es sicherlich an vielen Dingen, ohne darauf näher eingehen zu wollen kann ich jedoch feststellen, daß es an einem sicher nicht mangelt: Dem Willen zu allen möglichen Formen der Gerechtigkeit. Solange ich lebe, wird in Deutschland Politik fast ausschließlich mit dem vordergründigen Streben nach Gerechtigkeit gerechtfertigt, auch wenn die wahren Motivationen normalerweise nichts mit derartigen Erwägungen, aber dafür viel mehr mit Machpolitik zu tun haben.

Fast im Tagesrythmus werden wir unfreiwillig Zeuge, wie ein Mangel an Gerechtigkeit, der uns bis dahin gar nicht bewußt war, von interessierter Seite entdeckt wird, um wider der Vernunft oder der Realität Politik zu machen. Traditionell gehört zu dieser Art der Politik natürlich der Sündenbock, der sich – um im Jargon der Klientelpresse zu bleiben – „auf unsere Kosten“ zum Beispiel „die Taschen vollstopft“. Ich stelle mir, wenn ich über derlei Vorgänge nachdenke, dann stets die Frage, wie die armen „Menschen“ in unserer Gesellschaft nur diese hahnebüchenden Ungerechtigkeiten ausgehalten haben, zum Beispiel vor 30 Jahren, oder 40 Jahren, oder zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Geschichte. Wie konnte man es nur ertragen, bevor wir uns aufgemacht haben, seit vielen Jahrzehnten Jahr und Jahr neue, tolle Gesetze für mehr Gerechtigkeit zu erlassen. Und um wieviel gerechter es seitdem zugeht, holla!

Die Wahrheit ist natürlich eine andere. Die Existenzberechtigung von Politikern ist das darstellen entschlossener Handlungsfähigkeit, nicht mehr, und nicht weniger. Und so verhält es sich auch bei folgendem aktuellen Beispiel aus der Praxis bundesrepublikanischer Idiotie. Aktuell wirbt Herr Stoiber für ein Projekt, dessen primäres Ziel es sein soll die Gerechtigkeit in diesem Land zu fördern, und zwar im Bezug auf die Mineralölsteuer. Da soll es doch tatsächlich ein paar üble Parasiten geben, die nicht mehr bereit sind die horrenden Mineralölsteuern zu bezahlen, und sich daher mit geringfügig billigerem Sprit im Ausland versorgen. Zwar dachte ich im ersten Moment, es sei nur recht und billig, wenn sich Europäer, denen man zumutet bei ihrem Arbeitsplatz mit subventionierten Osteuropäern zu konkurrieren nun auchmal das Recht nehmen, und die Gesetze von Angebot und Nachfrage auf die Staaten und ihre Steuern anwenden, allerdings muß ich da wohl etwas ganz falsch verstanden haben.

Total unsolidarisch findet man das in der CSU, und möchte daher die Autobahnmaut in Form einer kleinen Vignette einführen. Für schlappe 10 Euro im Monat soll dann wieder alles total gerecht verlaufen, und weil die Mineralölsteuer sinken soll lohnt sich der Tanktourismus dann nicht mehr. Auch hier wird wieder nur mit scheinheiligen Argumenten an den Symptomen der europäischen Integration kuriert, das eigentliche Übel und Quell vieler weiterer Probleme wird dagegen nichteinmal erkannt oder bewußt verleugnet. Schade.

Eisenmann

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