Unsere hochverehrten polnischen Nachbarn sind, wie in letzter Zeit so oft, auf Krawall gebürstet. Nachdem die Preussische Treuhand vor dem europäischen Gerichtshof etwa zwei Dutzend Klagen auf Entschädigung aufgrund der mit der Vertreibung einhergehenden Enteignung vorgebracht hat, fiel unseren östlichen Freunden plötzlich auf, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil ihres zweifelhaften Staates auf urdeutschem Territorium liegt. Weil dies offensichtlich bisher völlig unbekannt war ist nun die Aufregung groß: Polnische Politiker überbieten sich gegenseitig in ihrer Empörung über diese „außergewöhnliche Dreistigkeit“ und die obligatorischen Holocaust-Überlebenden, von denen es immer noch erstaunlich viele gibt, halten derlei für einen „Skandal“. Wir übrigens auch.
Das Vorgehen der Preussischen Treuhand stößt auch in Deutschland quer durch alle politischen Altparteien und der Kirche auf scharfe Ablehnung. So nannte jüngst der Landesvater von Mecklenburg-VorPOMMERN, Harald Ringstorff ,derartige Bemühungen „gegenstandslos“ und hoffte, „daß die Klage keinen Erfolg hat“. Auch die sog. „Vertriebenenverbände“ bliesen ins gleiche Horn, aber im Falle eines Erfolgs könnte dies durchaus Konsequenzen haben. Enteignete Schlesier und Pommern könnten Entschädigung für enteignetes Land und darauf befindliche Immobilien und Wertgegenstände geltend machen und diese unter unwahrscheinlichen Umständen sogar zurückfordern. Eine Horrorvorstellung für die meisten Polen und ein Geschenk für die polnische Führung, kann diese sich doch auf diese Art und Weise als Beschützer des Vaterlandes profilieren und von den immer noch schlimmen Zuständen im Land ablenken. Noch immer kämpft man mit einer sehr hohen Arbeitslosigkeit und einer lächerlich geringen Wirtschaftskraft gemessen am BIP.
Aktuell läßt die polnische Führung daher die Frage diskutieren, ob der Grenzvertrag der im Zuge der Vereinigung von BRD und DDR zu BRD geschlossen wurde, nicht neu verhandelt werden sollte, sodass derartige Klagen per Vertrag zwischen der BRD und Polen gegenstandslos werden. Und immerhin stammen derartig abenteuerliche Aussagen nicht von irgendeinem vodkaseeligen Poliker aus der dritten Reihe, sondern von der amtierenden Frau Außenministerin Fotyga. Da man aber auch in Polen geschlossene Verträge nicht einseitig aufkündigen kann, müßte die deutsche Bundesregierung dem zustimmen, und alleine, dass man derartiges in Polen offen diskutiert, läßt doch eine sehr eindeutige Aussage über unsere politische Führung zu, bzw deren Ansehen und Durchsetzungsfähigkeit im Ausland.
An dieser Stelle muß ich zwar relativieren, daß heute Landbesitz eine bei weitem nicht mehr so große Rolle für die Bedeutung eines Staates spielt wie vielleicht noch vor 100 Jahren, nicht zuletzt weil heute im Zuge des technischen Fortschritts in der Landwirtschaft viel höhere Flächenerträge erzielt werden können und somit die Kapazitäten der Volksernährung nicht mehr der limitierende Faktor sind, aber Recht muß doch Recht bleiben. Und wenn deutsches Gebiet geraubt wurde und es ohne einen Krieg wohl nicht mehr territorial „heimkehren“ wird, dann wäre es doch tröstlich, wenn wenigstens die ursprünglichen Besitzer wieder das bekämen, was ihres seit Jahrhunderten war.
Wer angesichts dieser Darstellung meint, eine deutsche Bundesregierung, so kastriert diese im Bezug auf nationale Werte und Interessen auch sein mag, würde sich nicht zu derartigem herablassen, sei gewarnt: Politiker, deren komplettes Geschichtsbild sich in dem Satz zusammenfassen läßt „Die Grenzveränderungen und damit die Vertreibungen seien eine Folge des Zweiten Weltkrieges, und diesen Krieg habe das nationalsozialistische Deutschland begonnen“, ist alles zuzutrauen.
Quellen: Märkische Oderzeitung, Der Spiegel, Märkische Allgemeine Zeitung
16 Antworten bis hierher ↓
Ger-man // Dezember 19, 2006 um 4:50
MEIN THEMA! abgesehen, dass natürlich auch masuren, das südliche ostpreussen, heute in „polen“ liegt, bin ich spätestens jetzt von dieser seite überzeugt.
was diese lustigen polen sich doch immernoch einbilden, mussten sie doch sowas ähnliches durchmachen wie die deutschen vertriebenen.
haben die polen etwa keine ansprüche an die ukraine?
das kommt dabei heraus, wenn man zwar die richtigen dinge macht (Effizienz), aber diese dinge nicht richtig (Effektivität)…
torstengoth // Dezember 19, 2006 um 6:04
Es kann nicht in deutschem Interesse liegen, dass durch die Preußische Treuhand Besitze an Deutsche gehen (was eh keinen Erfolg haben wird) und gut is’.
Deutschland darf niemals seinen TERRITORIALEN Anspruch auf seinen Osten aufgeben. Schon aus Prinzip nicht. Das muss geklärt werden und so wie es jetzt ist, ist es nicht geklärt und die Ungerechtigkeit wird niemals aus der Welt geschafft werden. Es wäre mehr als unzureichend, wenn „nur“ die Besitztümer zurück an ihre rechtmäßigen Besitzer gehen, die territioriale Frage muss geklärt werden. Schlesien, Pommern und das gesamte Ostpreußen muss zurück an Deutschland.
torstengoth // Dezember 19, 2006 um 6:06
Edit: Aber hierbei müssten die Polen natürlich ihre „Sonderrechte“ bekommen, ähnlich wie es in Schleswig-Holstein mit der dänischen Minderheit geregelt ist (Südschleswigscher Wählerverbund???).
0rsk // Dezember 19, 2006 um 9:17
Eben. Ich hab mich auch schon immer gefragt, was die Polen eigentlich für ein Problem haben? Abgesehen davon, dass Polen immer schon ein Land war, das man wie ein Schwamm zusammenquetschen konnte, wäre es doch für die Polen (und natürlich auch für uns) von erheblichem Vorteil, wenn Polen einfahc nur in seiner Struktur her nach Osten verschoben wird. Diese sollen eben Ansprüche an die Ukraine bzw. Weißrussland oder so (bzw. ehemalige SU bzw. jetzige GUS) stellen, die rücken nach „rechts“ und wir haben unser Land. Aber der Pole ist zu dumm, eigene Ansprüche (auf östlicher Seite) zu stellen!
Christian // Dezember 20, 2006 um 3:04
@ torstengoth
Der Zug ist abgefahren. Im 2+4-Vertrag ist die Oder-Neiße-Linie bestätigt worden. Wessen Herz an Ostpreußen und Schlesien hängt, mag dorthin in den Urlaub fahren oder eine Wohnung kaufen – in Zeiten der EU kein Problem. Das Rad der Geschichte wird niemand zurückdrehen können, dafür haben sich die Deutschen im Zweiten Weltkrieg schlicht zu brutal und dumm angestellt (Stichwort: frühe Kapitulation).
Ger-man // Dezember 20, 2006 um 3:48
„die deutschen“… das wir deutsche immer von „den deutschen“ reden ist allein schon so (un-)lustig, aber mit brutal und dumm hast du schon recht.
von zeit zurückdrehen brauchen wir auch nicht reden, aber die politische landkarte hat sich in den letzten 2000 jahren so oft verändert, dass es vermessen klingt/wäre, nur weil WIR JETZT leben, davon auszugehen, dass es für immer so bleibt, EU hin oder her. in welche richtung ist da genauso offen, wer weiß schon, was in 100 oder 300 jahren ist.
die elsässer wollten auch keine deutschen mehr sein. die österreicher wollten, durften aber nicht.
einzig unsere sprache, ein(!) hauptbestandteil unserer kultur, vermag, so sie denn nicht in 200 jahren völlig verschwunden ist, uns deutsche zu erhalten, damit einher gehen natürlich unsere taten, welche unseren status in der welt bis heute neu definierten und hoffentlich irgendwann vom „bösen deutschen“ abkoppeln.
leider wird uns wohl unsere niedrige geburtenrate einen strich durch die rechnung machen, während mullah und mullinah hier fleißig und locker die 10er-marke sprengen
Christian // Dezember 20, 2006 um 4:13
@ Ger-man
Warum sollte die deutsche Sprache in 200 Jahren verschwunden sein? Sie wird sich sicher weiterentwickelt haben, so wie wir heute anders sprechen als im 18./19. Jahrhundert. Aber Goethe und Schiller wird man dann immer noch lesen, ebenso wie Kant und Fichte.
Ger-man // Dezember 20, 2006 um 4:36
sicher hatten viele sprachen einfluss auf unsere sprache und prägten sie bis zum heutigen status, angefangen bei latein über französisch bis zum englischen, abgesehen von anderen, aber diese 3 sind schon die wichtigsten.
aber durch diese mediengewalt heutzutage ist, und da wirst du mir nicht wiedersprechen können, der einfluss des englischen und der daraus resultierenden ANGLIZISME so immens, das das deutsche schon heute kaum noch ohne sie auskommt.
200 jahre waren ja auch keine prognose oder schätzung.
viele lehnworte oder fremdwörter sind aus unserer sprache ja auch schon wieder verschwunden, was hoffen lässt.
deutsche wissenschaft sollte doch vermehrt in deutsch veröffentlicht werden und nicht aus geld- und ruhmgeilheit in englisch, damit es auch ja die amerikaner und die ganze welt (welche ja nun quasi alle englisch sprechen können) sofort lesen kann. schwieriges thema…
torstengoth // Dezember 20, 2006 um 6:12
Viele Polen im „inoffiziellen“ Ostdeutschland wünschen sich gar die Deutschen zurück…
Kevin // März 19, 2007 um 8:32
http://friedensvertrag.info/cont/cms/front_content.php
grüsse aus polen // März 20, 2007 um 4:35
an torstengoth
viele Polen im inoffizielen Ostdeutschland wollen in Polen leben und nicht in Deutschland. Du willst auch nicht in Frankreich leben, sondern in Deutschland.
an orsk:
du hast geschrieben:
“der pole ist zu dumm um eigene ansprüche zu stellen“
der pole sagt:
“der pole akzeptiert andere völker, andere kulturen, der pole will keinen krieg, der pole will in frieden leben, orsk! Lass uns in ruhe!“
Frank // März 28, 2007 um 10:29
An torstengoth:
„Viele Polen im “inoffiziellen” Ostdeutschland wünschen sich gar die Deutschen zurück…“
Mal unbestritten, dass es Polen gibt, die das wollen, wirst du keine Mehrheit – weder regional noch national – für die Bestätigung deiner Aussage bekommen. Einzelmeinungen sollten doch auf keinen Fall – zwecks Instrumentalisierung – verallgemeinert werden. Ich bin mir sicher, dass dies deine Meinung kaum ändern wird; aber mit solchen Pseudoargumenten erreichst du wohl nie etwas.
An alle:
EInes müsst ihr mir (Fremdleser) mal erklären: Davon ausgehend, dass ihr die israelische Präsenz im Nahen Osten (das schließe ich aus euren Kommentaren), die durch frühere Besitzungen begründet wird, nicht gut heißt. Wieso hat das die BRD mehr Recht auf ehemals deutsche Gebiete auf dem heutigen Territorium Polens, als Israel es auf den Gebieten Jordaniens, Syrien, Ägyptens, etc. hat?
Geschichtlich siedelten Israelis doch früher und länger im Nahen Osten als die Deutschen in Osteuropa – können ihren Anspruch also schlüssiger darstellen.
Um dies mal in einem größeren Rahmen darzustellen:
Wenn jeder Staat, einschließlich die BRD, „seine“ früheren Gebiete rückfordern würde, könnten die arabischen Staaten Spanien fordern; könnten die Deutschen Rom fordern; könnten die Türkei große Teile Österreichs fordern; könnten doch die Schweden Sachsen fordern. Wo grenzt ihr den gerechtfertigten Anspruch und den bloßen perspektivlosen Wunsch nach spezifischer Territorialität ab?
Old School // September 25, 2008 um 7:36
Ich bin dafür das Deutschland wieder ein wichtiger Faktor in der Welt wird, allein schon damit wir in den torbulenten Zeiten, die definitiv auf uns zukommen werden, nicht von den „großen“ bestimmt werden.
Ich war schon an Kriegsschauplätzen wie Afghanistan und dem Kosovo, und will nicht das es bei uns in Deutschland jemals wieder so aussieht wie dort.
Deshalb sollte wir deutschen, sofern wir uns einig über unsere Interessen im Osten sind darum bemühen, das wir diese Gebiete durch wirtschaftliche Expansion und europäische Einigung an Deutschland angliedern können.
Denkt an Karthargo! Nach dem dritten punischen Krieg der von karthargischem Boden ausging, zerstörten die Römer das Land und die Hauptstadt und machten sie unbewohnbar (Verbrannte Erde und versalztes Wasser).
Heini Kuhrau // Oktober 30, 2008 um 4:12
Es ist unglaublich, wie wenig beinahe alle hier Schreibenden von der Geschichte wissen und sich trotzdem Urteile erlauben. Es scheint mir wirklich seit Stefan Raab und Konsorten eine deutsche Tradition geworden zu sein: Je blöder und ungebildeter, desto größer muss die Fresse sein!
1. Regeln tut der 2+4 Vertrag gar nichts, da er nunmal keinen völkerrechtlich verbindlichen Friedensvertrag für beide Seiten darstellt.
2. Hatte und hat die BRD als besatzungsrechtliche Selbstverwaltung eines Teiles von Deutschland nie das Recht, und wird es auch nie haben, auf Staatsgebiet zu verzichten, das die nach wie vor gültigen Grenzen Deutschlands vom 31.121937 einschließt. Bis 1990 war in Artikel 23 geregelt, wo die BRD das (eingeschränkte) Sagen hat, danach (obschon das juristisch umstritten ist) in der Präambel. Da dort nichts von den deutschen Ostgebieten steht, kann die BRD dort auch nicht bestimmen, weil sie nunmal nicht Deutschland repräsentiert. Daher kann sie mit Polen so viele Verträge schließen, wie sie will. Die sind nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Wer jetzt mit der „vollen Souveränität“ ankommt, den möchte ich daran erinnern, dass wir die auch 1954 schon erhalten hatten. In Paragraph 1 des Überleitungsvertrages (der nach wie vor in wichtigen Teilen in Kraft ist), um sie in Paragraph 2 gleich wieder zu kippen. Im 2+4 Vertrag sieht das nicht anders aus.
3. Den israelischen Anspruch auf das gelobte Land mit dem Anspruch Deutschlands (des deutschen Volkes, nicht der BRD, die kann gerne verzichten, am besten aufs Regieren) auf die Ostgebiete zu vergleichen ist grob schwachsinnig und wenn damit nicht soviel menschliches Elend verbunden wäre, wäre es mehr als lachhaft. Ein zionistisches Konstrukt des 19. Jahrhunderts, dessen Existenzberechtigung sich in Legenden der Bibel erschöpft, für die nach wie vor keinerlei Beweise vorliegen. Und auch nie vorliegen werden! Dazu ist vor einem Monat das Buch „Wann und wie das jüdische Volk erfunden wurde“ von Schlomo Sand (Uni Tel Aviv) erschienen. Ins Deutsche wird es wohl nicht übersetzt werden, aus den üblichen Gründen. Es liegt derzeit in Hebräisch und Französisch vor, eine englische Übersetzung ist in Arbeit. Lesen, bevor man irgendeinen Schwachsinn schreibt!
Der deutsche Anspruch auf den Osten hat doch verdammt nochmal nichts mit „Tradition“ oder Legenden zu tun! Das ist schlicht und ergreifend Völkerrecht! Nur, wenn wir, das Deutsche Volk, nicht aufstehen, das einfordern, was uns zusteht, dann wird auch nichts passieren. Wir sind faul, verblödet, verblendet, umerzogen, fett und selbstzufrieden. Anstatt per Volksbegehren eine verfassungsgebende Nationalversammlung zu fordern, was tun wir? Wir wählen die Kommunisten in die Parlamente! Armes Deutschland? Quatsch! Armes, dummes Deutsches Volk!
Micha // November 23, 2008 um 11:03
Whow, vom letzten Kommentar bin ich echt beeindruckt. Hat Substanz!!!!
Heini Kuhrau // Dezember 30, 2008 um 8:20
Anzufügen wäre noch etwas, das selbst dem simpelsten Geiste klar werden kann. Die Alliierten haben die Regierung Dönitz, die letzte Reichsregierung, verhaftet und das Deutsche Reich handlungsunfähig gemacht. Daraufhin haben sie Leute an die Macht befördert, die ihnen genehm waren. Vielfach Oppositionelle aber oft genug schlicht Arschkriecher und Opportunisten. Die politische, juristische, medizinische und allgemein intellektuelle Elite des Landes wurde in Schauprozessen (IMT) verurteilt, erhängt, auf Jahre weggesperrt oder in die USA abgeworben; wobei W. von Braun wohl das prominenteste Beispiel ist. Aber auch namhafte Ärzte waren dabei, die man zuvor der Euthanasie oder der Eugenik (bis heute in den USA betrieben) beschuldigt hatte.
Sodenn, die Führung ist weg, der Schuldkomplex dank Billy Wilders Aufnahmen in Auschwitz, dank einer lizensierten Presse, dank einer internationalen Hetze eingeimpft. Und dann ließ man sie wählen, die deutschen Untermenschen, allerdings nur die, die zuvor von den USA eingeschworen wurden. Das war und ist die Basis Nachkriegsdeutschlands bis heute. Und nun möge man mir die Frage beantworten, was das mit Souveränität zu tun hat.