In der aktuellen Diskussion um den richtigen Energiemix in Deutschland und die damit verbundene Versorgungssicherheit schlagen die Wellen im Moment wieder etwas höher. Egal welches Lager man nun auch betrachtet, sachliche Argumente sucht man vergebens. Stattdessen wird umso mehr mit den Ängsten der Bürger gespielt: Ein zweites Tschernobyl in Deutschland tritt in der medialen Diskussion gegen einen ausländischen Lieferstopp samt russischem Winter an. Da wir in Deutschland bei der Steinkohle wegen der verderblich hohen Kosten nicht mithalten können bleibt nur noch die Braunkohle. Hier sind die Kapazitäten schon am Limit und die Schäden für die Umwelt in vielerlei Hinsicht beträchtlich.
Was bleibt also, außer dem Traum, der Himmel möge unsere sehr irdischen Energieprobleme lösen? Wer ernsthaft der Meinung ist, wir könnten etwa zwei Drittel unseres Energiebedarfs mit Technologien wie Photovoltaik, die sich nach mehr als 50 Jahren und irrwitzig hoher Förderung immer noch nicht durchgesetzt hat, oder der unkontrollierbaren Windkraft bestreiten, der kann an dieser Stelle aufhören weiterzulesen. Zugegeben: Autos fahren auch mit Soja- oder Rapsöl, ich kenne einige Fahrer die sich so fortbewegen. Aber dies ist weder politisch gewollt, weil es die Mineralölsteuern hinterläuft, weshalb man für Pflanzenöl das man derartiger Verwendung zuführen möchte eine Art „Ersatzmineralölsteuer“ bezahlen muß, noch ist es praktikabel für alle in Deutschland zugelassenen Autos. Wo sollte der ganze Raps denn auch herkommen? Die Hoffnung, dies würde sich in sehr absehbarer Zukunft ändern, mag ein jeder Leser selbst bezüglich ihrer Realitätsnähe beurteilen. Kein Ausweg in Sicht.
Und weil kein Ausweg in Sicht ist, erlauben wir einer Partei, die effektiv keine 3% der Gesamtbevölkerung representiert, uns aus ideologischen Motiven die Option der Atomkraft zu nehmen. In welchem anderen Land wäre so etwas möglich? Natürlich ist irgendwann in den 80er Jahren ein Reaktor in Tschernobyl geschmolzen, und natürlich hatte das sehr schlimme Folgen, und natürlich wird dieses tragische Ereignis – ganz analog zu anderen tragischen Ereignissen – bis zum Exzess instrumentalisiert um allerlei Hirngespinste durch die Arena zu jagen. Dabei ist die Argumentation der ökologisch interessierten Aktivisten durchweg darauf ausgelegt einer Ideologie zu entsprechen, und ignoriert dabei die Realitäten. Weil in der Ukraine kein Ingenieur zum Betrieb eines Atomkraftwerkes abgestellt war, und das Atomkraftwerk ohnehin nicht mit dem Fokus auf Sicherheit entwickelt wurde, ist nun die Atomkraft unsicher. Ebenso sinnvoll wäre es zu behaupten, weil ukrainische Autos, die von Kindern ohne Führerschein gefahren werden, unsicher und eine Gefahr für die Allgemeinheit sind, verbieten wir in Deutschland Bau und Betrieb von Autos.
Profitieren tut von dieser Situation übrigens ganz andere, und zwar Unternehmen, die Sie so gar nicht mit Umweltschutz in Zusammenhang bringen würden. Wer aber nun in Folge eines bis jetzt nur gefühlt verknappten Angebots und Kosten für staatlich verordnete Ökoenergie einen noch viel höheren Preis von Ihnen verlangt dürfen Sie sich selbst an zwei Fingern abzählen. Und wenn wir gerade schon dabei sind etwas sinnvolles zu tun, dann können wir auch gleich die Energieunternehmen an die Kandarre nehmen, die hier zu Lande etliche Milliarden in Form von Monopolgewinnen einnehmen und trotz zusammenbrechender Stromnetze ihre Gewinne im Ausland investieren. Würde man die Gewinne dieser Unternehmen einfach mal dem Bürger zurückgeben, und gleichzeitig Energiepreise erzwingen, die mit 10 Cent pro Kw/h auf europäischen Durchschnittsniveau und der Hälfte der aktuellen deutschen Preise lägen, es entspräche einer Senkung der Mehrwertsteuer um mehrere Prozent. Aber wer ist schon daran interessiert das Sie Ihr Geld behalten können? Für manche Dinge gibt es eben keine Lobby…